RAINBOW´S WORLD

 

 

Vom Gurkenglas zum Fischkeller

So ähnlich hat es vor 41 Jahren mal bei mir ausgesehen

 

Ich war gerade einmal 10 Jahre alt, da stellte mir mein Vater ein 5 Liter fassendes Gurkenglas auf den Tisch. Es sollte die vielen 1,5 Liter Einweckgläser ersetzen in denen die Haltung meiner Guppys eher schlecht als recht funktionierte. Von da an ging es Bergauf. Bald waren es schon drei dieser Gurkengläser, denn Guppys kann man nicht an der Vermehrung hindern. Der Anfang war gemacht und vom Geld der ersten Nachzuchten wurde ein Vollglasaquarium gekauft. Es dauerte gar nicht lange und es folgten Becken Nummer 2 und 3. Neue Fischarten kamen dazu und vermehrten sich und mit ihnen auch die Zahl der Aquarien.

Das war der Beginn einer langen und manchmal auch steinigen züchterischen Kariere vor 41 Jahren. Heute habe ich einen Fischkeller mit 50 Aquarien und einem Gesamtvolumen von fast 10.000 Litern Wasser. Aber wie baut man denn so eine Anlage? Was treibt einen dazu sich solch einen Wahnsinn anzutun? Die Antwort ist denkbar einfach, man hat seinen Spaß daran.

Aller Anfang ist schwer

 

Es ist mittlerweile meine vierte Anlage und die zweite im eigenen Haus. Ich musste sehr schnell feststellen das ich den falschen Raum gewählt hatte. Er war einfach viel zu klein mit seinen 10 m² und so wurde der größte der drei Keller umgebaut. Wände vielen, der Boden wurde geebnet und ein Heizkörper eingebaut. Ein Wasseranschluss und der dazugehörige Abfluss wurden eingebaut. Leider liegt der Abfluss zu hoch, weswegen ich keine automatische Wasserwechsel vornehmen kann. Der Installateur faselte da immer was von technisch nicht anders zu lösen, ich denke das das technische Problem "Null Bock" heißt.

 

Nachdem Trockenbau ging es daran die Stellagen für die Aquarien zu errichten. Mein Prinzip ist dabei recht einfach und da ich mit Holz recht gut umgehen kann, wurde dieses Material von mir bevorzugt. Als erstes wurden die Rahmen gefertigt, die zwischen den einzelnen Blöcken stehen. Danach wurden die Kästen für das Licht gezimmert. Alle Elemente sind untereinander verleimt und verschraubt und bilden somit ein recht stabiles Konstrukt. Nach und nach wurden Unterbaue und Kästen zusammengefügt und Etage für Etage wurde fertig gestellt.

 

Dazu gehört auch die Elektrik, die in drei Kreisläufe unterteilt ist. Zwei davon sind für das Licht und einer für die Technik. Das System hat sich schon bewährt, denn die Schaltuhren streiken manchmal bei der Last und so lief mindestens ein Kreislauf weiter. Woran ich damals aber nicht gedacht hatte war der Einsatz von Stabheizern. Sie werden in sehr kalten Wintern doch benötigt und es liegen keine Kabel vor Ort diese einzustecken. Naja, es wird nicht die Letzte Anlage sein die ich baue.

Während der neue Fischkeller langsam wächst, läuft imalten der Betrieb ganz normal weiter.

 

Wichtig für eine Aquarienanlage ist auch die Versorgung mit Luft. Ich habe mich für ein ganz einfaches System entschieden das jeder im Baumarkt erwerben kann. Es kommt von Gardenia und ist für die Tröpfchenbewässerung von Topfpflanzen konzipiert worden. Aber wo Wasser durchpasst kann man es auch einmal mit Luft versuchen und was soll ich sagen, es funktioniert. Es wurde eine Ringleitung unter der Decke verlegt an die alle Aquarien angeschlossen werden können. Somit ist auch die Versorgung mit Luft für die Filterung der Anlage gesichert.

 

Widmen wir uns nun den Aquarieneinrichtungen. Als Bodengrund werden die verschiedensten Materialien verwendet. Spielsand, Filtersand, feiner Kies und grober Kies, fast alles findet Verwendung. Grober Kies hat den Nachteil das jeglicher Mulm in den Ritzen verschwindet und somit öfter abgesaugt werden muss, Filtersand wiederum hat die Angewohnheit kaum Mulm aufzunehmen. Somit hat man immer eine leichte Trübung durch Schwebstoffe im Wasser. Feiner Kies und Spielsand in dünner Schicht sind sehr gut geeignet. Feiner Kies lässt sich einfacher absaugen als grober Kies und auf der dünnen Sandschicht bleiben Schwebstoffe hängen und können oberflächlich abgesaugt werden.

Früh übt sich...

 

An Wasserpflanzen findet man bei mir alles was hält. Ich lege Wert auf eine schöne harmonische Bepflanzung in meinen Aquarien. Wenn möglich, dann sind alle Becken mit einem dichten Bewuchs ausgestattet. Vor allem bei den Schaubecken gebe ich mir große Mühe. In die Aufzuchtaquarien kommen immer die Wasserpflanzen die gerade übrig sind. Somit ist auch bei den Kleinsten für ausreichend Deckung gesorgt.

 

Nun kommen wir zum heikelsten Teil, den Kosten. Diejenigen die große Anlagen besitzen wissen wovon ich rede. Durch die Ökoumlage sind vor allem die Energiekosten gestiegen. Als ich vor vielen Jahren mit der Aquaristik begonnen habe zahlte man für eine KWH 0,12 DM was etwa 0,06 € entspricht. Heute sind dafür mindestens 0,21 € fällig. Dass ist mehr als das Dreifache und auch die Heizölkosten haben sich fast verdoppelt, zwischenzeitlich lagen auch sie beim Dreifachen. Und da wir überhaupt keine Inflation haben sind die Preise für Futter fast gar nicht gestiegen. Was früher einmal 40,00 DM gekostet hat ist heute 40,00 € Wert. Das ist in etwa das Doppelte.

Der große Pott ist eingezogen

 

Nun, was will ich damit zum Ausdruck bringen? Viele Aquarianer träumen von so einem eigenen Fischkeller ohne sich Gedanken über die Kosten zu machen und genau die haben es in sich. Sicher sieht alles schön aus hat man sich seinen Fischkeller schön eingerichtet. Die Frau bzw. der Mann meckert nicht mehr wenn man das Aquarienwasser über die ganze Hütte verteilt wird. Aber bei mir sind es rund 270,-€ für Strom im Monat, ich verbrauche 500 Liter mehr Heizöl im Jahr und im Quartal etwa 120,- € an Wasser. Dazu kommt noch Futter, diverse Technik, neue Lampen und eine gute Versicherung die alle Schäden abdeckt. Ales in allem liege ich mit meiner Anlage bei rund 500,- € im Monat. Das ist selbst für unsere kleine Familie ein ganz schöner Batzen Geld. Der ist auch über die Abgabe von selbst gezüchteten Fischen und Wasserpflanzen nicht auszugleichen. Wer so etwas anfängt sollte sich im klaren darüber sein, dass in der heutigen Zeit kein Geld mehr mit dem Hobby zu verdienen ist. Und ein weiterer Aspekt ist der Familienurlaub. Wer Tiere hält, der kann nicht fort, es sei denn man hat eine adäquate Urlaubsversorgung die weiß was zu tun ist.

Blick auf einem Großteil der fertigen Anlage

 

Aquaristik ist halt doch nur ein Hobby, aber eines der schönsten der Welt. Darum lasst es uns erhalten!